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Porsche 911 Carrera RS 2.7 in Weiß mit roten und blauen Streifen und Entenbürzel auf einer Alpenstraße, ohne Kennzeichen

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Porsche 911 Carrera RS 2.7: Der Urvater aller RS-Modelle

Wie Porsche 1972 mit einem Homologationsmodell für den Rennsport den heiligsten Elfer aller Zeiten baute — und warum der RS 2.7 bis heute unerreicht ist.

Volkan Yilmaz
Volkan Yilmaz
Aktualisiert: 10 Min. Lesezeit
Inhalt

Es gibt Autos, die Geschichte schreiben. Und es gibt Autos, die eine Kategorie definieren. Der Porsche 911 Carrera RS 2.7 ist beides. Er ist der erste 911, der offiziell „Carrera" hieß. Der erste 911 mit einem Heckspoiler. Der erste 911, der unmissverständlich sagte: Dieser Wagen ist nicht für den Komfort gebaut — er ist für die Strecke gebaut, der Straßeneinsatz ist die Ausnahme.

Porsche baute ihn 1972 für einen einzigen Zweck: die Homologation für den Rennsport. Was dabei entstand, ist das begehrteste Serienfahrzeug, das Zuffenhausen je verlassen hat.


Entstehung: Rennsport als Geburtshilfe

Anfang der 1970er Jahre stand Porsche vor einem strategischen Problem. Der Werkssport-Einsatz in der FIA-Gruppe 4 (Gran Turismo) erforderte, dass das Basisfahrzeug in mindestens 500 Exemplaren homologiert sein musste. Um den neuen 2,7-Liter-Boxermotor in der Rennsport-Klasse einsetzen zu dürfen, musste Porsche ein entsprechendes Straßenfahrzeug in ausreichender Stückzahl bei der FIA einreichen.

Intern hieß das Projekt schlicht Typ 911/83. Das Entwicklungsteam um Ernst Fuhrmann und Peter Falk verfolgte ein klares Ziel: maximale Leistung, minimales Gewicht, volle FIA-Konformität. Das Ergebnis war ein 911, der auf der Straße legal war — aber auf der Rennstrecke zuhause.

Porsche kalkulierte mit einer Auflage von 500 Stück. Aus der Nachfrage wurde eine Bewegung: Am Ende entstanden 1.580 Fahrzeuge in drei Varianten. Die Motorsport-Homologation war Nebensache. Der RS 2.7 war längst ein Kultobjekt geworden, noch bevor er in Produktion ging.

Karosserie: Entenbürzel und konsequenter Leichtbau

Der erste Blick auf den RS 2.7 erklärt alles. Hinter den hinteren Seitenscheiben wölbt sich ein geschwungener Blechspoiler — der sogenannte Entenbürzel oder „Ducktail". Kein Aufbau, kein Flügel, kein Anbauteil: Der Spoiler ist in das Blechkleid integriert. Er entstand aus aerodynamischer Notwendigkeit — Abtrieb auf der Hinterachse bei hohen Geschwindigkeiten — und wurde zur ikonischsten Silhouette in der 911-Geschichte.

Die Karosserie wurde konsequent abgespeckt. Porsche verwendete dünneres Stahlblech für Motorhaube, Türen und Kotflügel, ersetzte die Scheiben in Türen und Heckfenster durch leichteres Acrylglas (Touring-Version teilweise ausgenommen), verzichtete auf Dämmmaterial und Teppiche in der Sport-Variante. Das Ergebnis: ein Leergewicht von 900 bis 975 kg je nach Ausführung — rund 100 kg weniger als der zeitgleich angebotene 911 S.

Die charakteristischen farbigen Längsstreifen über Motorhaube und Dach — meist Rot, Blau oder Grün auf weißem Grund — wurden zum visuellen Erkennungsmerkmal einer ganzen Ära. Sie waren optional, aber die meisten Käufer wählten sie. Ohne Streifen ist ein RS 2.7 heute kaum vorstellbar.


Technik: Der 2,7-Liter-Boxer — 210 PS aus Luft

Das Herzstück des RS 2.7 ist sein Sechszylinder-Boxermotor mit 2.687 ccm Hubraum — der erste 911, der die 2,7-Liter-Klasse erschloss. Die Bohrung wurde von 84 auf 90 mm vergrößert, die Kurbelwelle stammte aus dem 917-Rennsportprogramm. Nikasil-beschichtete Zylinderlaufflächen, mechanische Kugelfischer-Einspritzung (MFI), 8,5:1 Verdichtung.

Leistung: 210 PS bei 6.300/min. Auf dem Papier klingt das moderat. Im Kontext von 900 kg Leergewicht klingt es nach einem anderen Auto. Das Leistungsgewicht lag bei rund 4,3 kg/PS — schärfer als alles, was damals mit Straßenzulassung aus Zuffenhausen kam.

Das maximale Drehmoment von 255 Nm bei 5.100/min kam charakteristisch spät, aber mit einer Linearität, die moderne Turbomotoren nie erreichen. Der Pilot hatte das Gefühl, dass das Auto atmet — ein Eindruck, den Fahrer bis heute beschreiben, wenn sie über den RS 2.7 sprechen.

SpezifikationRS 2.7 SportRS 2.7 Touring
Hubraum2.687 ccm2.687 ccm
Leistung210 PS210 PS
Leergewichtca. 900 kgca. 975 kg
0–100 km/h5,8 s6,0 s
Höchstgeschwindigkeit245 km/h240 km/h
Auflage200 Stück1.308 Stück

Varianten: Sport, Touring und RSR

Porsche bot den RS 2.7 in drei Ausführungen an — je nach Einsatzprofil des Käufers:

RS Sport: Die Basisversion. Kein Teppich, keine Rücksitze, Acrylglas-Seitenscheiben, Stahlschalensitze. Gewicht rund 900 kg. Nur 200 Exemplare entstanden. Heute die wertvollste Variante — ein tadelloser RS Sport wechselt bei Auktionen regelmäßig für über eine Million Euro den Besitzer.

RS Touring: Die straßentauglichere Version. Teppich, serienmäßige Sitze, normale Verglasung. Rund 975 kg Leergewicht. Mit 1.308 Exemplaren die häufigste Variante und der „erschwinglichere" Einstieg in die RS-Welt — wenn man €400.000 aufwärts als erschwinglich bezeichnet.

RSR: Das vollständige Rennfahrzeug, direkt abgeleitet vom RS. Überrollkäfig, Feuerlöschanlage, 308 PS aus 2,8 Litern Hubraum (RSR 2.8), Rennbremsanlage. 55 Exemplare entstanden — ausschließlich für den Renneinsatz. Der RSR gewann 1973 die Targa Florio und belegte beim 24h Le Mans mit dem RSR 3.0 den Gesamtzweiten Platz.

„Der RS 2.7 war kein Auto für die Straße. Er war ein Rennwagen mit Straßenzulassung — und genau das macht ihn heute zum teuersten und begehrtesten Elfer, den Porsche je gebaut hat. An ihm gemessen ist jeder andere 911 nur ein sehr gutes Serienfahrzeug."

— Volkan Yilmaz, Gründer & Herausgeber aut.ooo


Motorsport: Was der RS 2.7 geleistet hat

Die Motorsport-Bilanz des RS 2.7 und seines Rennablegers RSR ist außergewöhnlich. Bereits in seiner ersten vollen Saison 1973 dominierte das Fahrzeug die europäische GT-Klasse:

  • Europameisterschaft GT 1973: Herbert Müller und Georg Loos fuhren den Carrera RS zum Gesamtsieg.
  • Targa Florio 1973: Martini Racing RSR mit Müller/van Lennep — Gesamtsieg.
  • 24h Le Mans 1973: RSR 3.0 auf Platz 2 der Gesamtwertung.
  • Daytona 24h 1973: RSR belegte die ersten drei Klassenpositionen.

Der RS 2.7 etablierte die Grundlage für eine Motorsport-Erbfolge, die Porsche bis heute trägt. Die moderne RS-Linie — verkörpert durch den Porsche 911 GT3 RS 2026 — hat ihre DNA direkt aus diesem Fahrzeug. Was diese Philosophie auf der Nürburgring Nordschleife bedeutet, zeigt der Artikel GT3 auf der Nordschleife: Die Grüne Hölle.

Marktpreise 2026: Was ein RS 2.7 heute kostet

Der Carrera RS 2.7 hat in den vergangenen zehn Jahren eine Wertsteigerung erlebt, die selbst hartgesottene Sammler überraschte. Ein guter RS Touring kostete 2010 noch unter 200.000 Euro. Heute beginnt der Markt bei 350.000 bis 450.000 Euro für Fahrzeuge mit lückenhafter Dokumentation.

Matching-Numbers-Exemplare mit vollständiger Servicehistorie liegen zwischen 500.000 und 800.000 Euro. Der RS Sport — die seltenste Variante mit nur 200 Einheiten — überschreitet bei tadelloser Ausstattung regelmäßig die Millionengrenze.

Faktoren, die den Preis bewegen:

  • Matching Numbers: Motor, Getriebe und Karosserie mit übereinstimmenden Nummern sind Pflicht für den Spitzenpreis.
  • Originallack: Werksfarbe ohne Umlackierung bedeutet 20–30 % Aufschlag.
  • Rennhistorie: Für manche Sammler ein Malus (Verschleiß), für andere ein Premium (Provenienz).
  • Streifen-Option: Originale Farbstreifen ab Werk erhöhen den Wert gegenüber nachträglichen Applikationen deutlich.

Wer grundsätzlich an klassischen 911 interessiert ist, findet im Artikel Alter Porsche 911: Welche Generation lohnt sich einen umfassenden Überblick über alle Baureihen und Preisregionen. Die vollständige Einordnung des RS 2.7 in die 911-Geschichte liefert Geschichte des Porsche 911: Von 1963 bis heute.

Der RS 2.7 und seine Nachkommen

Der Carrera RS 2.7 begründete eine Namens- und Konzeptlinie, die Porsche bis heute trägt. Der 964 Carrera RS (1991/92) griff das Konzept auf — Leichtbau, Saugmotor, keine Kompromisse. Der 993 RS (1995/96) war die letzte luftgekühlte Interpretation. Mit dem 996 GT3 RS begann der Übergang in die Wasserkühlungs-Ära.

Heute trägt der 992 GT3 RS den Namen weiter — mit aktivem Aerodynamiksystem, über 500 PS und Hochdrehzahl-Saugmotor. Das Prinzip ist identisch: Ein Rennwagen, dem man eine Straßenzulassung beigelegt hat. Die Verbindung zur Vergangenheit ist keine Marketingentscheidung. Sie ist Substanz. Die Einordnung in den größeren Kontext der Sportwagen-Geschichte liefert Klassische Sportwagen: Die zeitlosen Ikonen.


FAQ: Porsche 911 Carrera RS 2.7

Was bedeutet „RS" beim Porsche 911?

RS steht für Rennsport. Die Bezeichnung signalisierte von Anfang an, dass das Fahrzeug primär für den Motorsporteinsatz oder motorsportnahen Straßenbetrieb entwickelt wurde — mit reduziertem Gewicht, gesteigerter Motorleistung und fokussiertem Fahrwerks-Setup. Seit dem RS 2.7 von 1972 ist „RS" die höchste Leistungsbezeichnung innerhalb der zivilen 911-Baureihe.

Wie viele Porsche 911 Carrera RS 2.7 wurden gebaut?

Insgesamt entstanden 1.580 Exemplare des Carrera RS 2.7, aufgeteilt in drei Varianten: 200 RS Sport, 1.308 RS Touring sowie 72 RSR für den reinen Renneinsatz. Porsche hatte ursprünglich nur 500 Stück für die Homologation eingeplant — die Nachfrage übertraf alle Erwartungen.

Warum hat der Porsche 911 Carrera RS 2.7 den Entenbürzel?

Der Entenbürzel (englisch: „Ducktail") ist der aerodynamisch integrierte Heckspoiler des RS 2.7. Bei hohen Geschwindigkeiten hebt die Hinterachse des Heckmotors 911 durch Auftrieb ab — ein kritischer Effekt. Der geschwungene Blechspoiler erzeugt Abtrieb auf der Hinterachse, ohne das Fahrzeuggewicht nennenswert zu erhöhen. Er wurde Teil des Designs, weil er schlicht funktionierte.

Was kostet ein Porsche 911 Carrera RS 2.7 heute?

Der Marktpreis eines RS 2.7 liegt 2026 zwischen 350.000 und über einer Million Euro, abhängig von Variante, Dokumentation, Matching Numbers und Originalzustand. RS Sport-Exemplare mit vollständiger Nachweishistorie und originalem Lack überschreiten regelmäßig die Millionengrenze bei internationalen Auktionen.

Was ist der Unterschied zwischen RS 2.7 Sport und Touring?

Der RS Sport ist die abgespeckte Rennversion: kein Teppich, Stahlschalensitze, Acrylglas-Seitenscheiben, rund 900 kg Leergewicht — nur 200 Exemplare. Der RS Touring bietet Serienkomfort bei identischer Motorisierung und rund 975 kg Gewicht. Mit 1.308 Stück ist er die häufigste und vergleichsweise zugänglichste Variante.

Welcher Porsche 911 ist der direkteste Nachfolger des RS 2.7?

Der konzeptionell direkteste Nachfolger ist der 964 Carrera RS (1991/92) — ebenfalls ein Leichtbau-911 mit Saugmotor und fokussiertem Fahrwerks-Setup. In der modernen Ära trägt der 992 GT3 RS das Erbe fort: Hochdrehzahl-Saugmotor, aktive Aerodynamik und konsequenter Rennsport-Anspruch mit Straßenzulassung.